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2 Jahre sind vorbei

19. Oktober 2018. Mit 2 Freunden feierte ich am Wolfsfest in Z7. Ein Abend mit viel Lachen, Alkohol und Spass. Beim letzten Lied an diesem Abend musste ich noch kurz auf die Toilette und wurde dabei (ohne böse Absicht) seitlich von jemandem geschubst und konnte danach mein Bein nicht mehr bewegen.

Im Spital diagnostizierte man mir erst ein gebrochenes Knie, korrigierte dies jedoch auf einen Schienbeinbruch unter dem Knie. Mit dem Alkohol im Blut war das alles noch ganz witzig in der Notaufnahme, auch mit dem Rollstuhl nachts durch den Spital zu donnert. Das tolle Foto entstand auch in diesen Stunden 😉

Doch auch jenes endete und es folgten Schmerzen, Opiate, die Übelkeit und Unstimmigkeiten mit dem Spital Betreff der Operation.

Nach der Operation hiess es, dass frühzeitige Arthrose eintreten wird und das Knie nie wieder ganz genesen. Für mich war dies keine Option. Ich lieh mir einen Bemer (physikalische Gefässtherapie) und dosierte meine Nahrungsmittelergänzungen (sekundäre Pflanzenstoffe & Omega) ums doppelte für ein paar Wochen. Natürlich hielt ich meine Physioübungen ein und doch merkte ich, etwas stimmt nicht.
Wie sich dann herausstellte, ist die eine Schraube im Bein nicht richtig platziert gewesen. Somit eiferte man auf den erst besten Termin, um diese wieder zu entfernen.

Nach 7 Monaten Arbeitsunfähigkeit erzählte mir der operierende Arzt, dass die OP rückblickend doch besser gelungen sei, als anfangs gedacht. Dies könne man ab den Röntgenbildern und meiner Beweglichkeit sehen. Ich liess es Mal so stehen 😉

Im Juni 2018 eröffnete ich meine Praxis Grundstein Gesundheit und arbeitete zwischenzeitlich noch temporär bei einer Firma, für die ich die Jahre davor 100% arbeitete. Natürlich tauchte nach dem Unfall schnell die Frage auf, wer zahlt.
Es zählte die SUVA, für welche ich rund 8 Jahre eingezahlt hatte, bei dem besagten Temporär Büro. Diese rechneten die 3 Monate Einkommen vor em Unfall, teilten den Lohn durch 3 und zogen davon 20% ab. Meine Selbständigkeit konnte ich damals noch nicht anrechnen lassen und herauskam eine Summe, die unter dem Existenzminimum war.

Mein damaliger Arbeitsgeber sicherte mir per Telefon eine Ausgleichszahlung zu, welche er dann 3 Tage später zurückzog mit der Begründung, dass ich in der Woche des Unfalls nicht für ihn gearbeitet hätte. Die 8 Jahre davor und das verdiente Geld für die Firma zählten als nichts. Moral/Fairness gleich 0.

Vom Sozialamt hätte es einen Ausgleich gegeben, wenn ich meine Firma aufgelöst, mein Auto verkauft und Nachweisbar ein Gesamtvermögen von weniger als 1500 Franken habe. Da sich mein alter Arbeitgeber quer stellte mit einem rechtlichen Kündigungsschreiben, konnte auch über das RAV nichts auf die Schnelle bezogen werden.

Fazit: Mein Unfall bzw. der fehlende Ausgleich kostete mich mehrere tausend Franken, die ich selbst bezahlte. Eine lehrreiche Lektion und wie es in der schönen Schweiz so ist: Erfahrungen kosten Geld!

Ich bin jetzt seit gut 1. Jahr in einer Festanstellung mit 60%, den Rest gleiche ich mit meiner Praxis und arbeiten im Fitness-Studio aus.
Meinem Bein geht es viel besser. Durch eine nicht geeignete Übung, verschlechterte sich kurzzeitig der Zustand wieder vor ein paar Monaten, allerdings geht’s wieder aufwärts.

Bergab zu laufen bringt mein Knie noch etwas ins Zittern, doch ich arbeite auch da gezielt mit Übungen, um die Muskulatur zu stärken. Mein Ziel dieses Jahr, auf den grossen Mythen zu steigen, klappte nicht. Doch ich bin davon überzeugt, nächstes Jahr krieg ich das hin. Gutes braucht seine Zeit!

Diese 2 Jahre lehrten mich, dass wir uns eben nicht nur auf Worte verlassen sollten. Auch wenn dies meine Natur wäre, zu viel Vertrauen kann gefährlich werden. Schritt für Schritt näherte ich mich dem typischen Schweizerdasein und lerne, mich besser abzusichern.

Rückblickend sehe ich diese Aktion auch als einen Warnschuss: Junge, Du bist nicht mehr 20 und Du kannst sie nicht alle töten 🤪
Cheers