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Das Baustellen-Ich; meine andere Seite

Bei meiner jetziger Tätigkeit auf Montage fragte ich meinen Arbeitskollege U.K., ob er ein bestimmtes Thema wünsche, über das ich schreiben soll in meinem nächsten Post.

Die Antwort war ziemlich klar: Schreibe über den Baustellen-Samy, denn die digitale Welt nicht kennt, mit einer Selbstreflexion!

Nun dann...

 

Lieber U.K.
Schwierig, den Anfang mit diesen Zeilen zu starten, ohne gleich ironisch zu werden oder das Niveau tief anzusetzen.
Du kennst eine Seite von mir, die sich gerne über vieles Lustig macht, reklamiert und sich auch mal quer stellt. Ich erzähle Dir dazu meine Geschichte (zumindest ein Teil davon) 🙂

 

Als ich vor fast 10 Jahren das Leben auf Montage begann, war ich Feuer und Flamme für diese Branche. Mehrere Aspekte trugen dazu bei, ein Grund war der etwas rauere Umgangston. Ich fand es super, dass man sich Meinungen und Beschimpfungen direkt ins Gesicht sagt und die Sprüche auch mal unter der Gürtellinie sind. Es war für mich ein perfektes Schutzschild, um mich hinter mir selbst zu verstecken.

 

Die vielen Arbeitsstunden bei Wind und Wetter, abends ein paar Bier und am nächsten Tag wieder früh aufstehen, als ob nichts gewesen wäre. Bei kleineren Unfällen geht man natürlich nicht zum Doktor, geschweige denn man redet mal über seine Gefühle. Eine richtig harte Männerwelt eben!

 

Auch Du hast in den letzten Jahren meinen Wechsel mitgekriegt. Über Ernährung, einen anderen Lebensstiel und meine berufliche Orientierung Richtung Gesundheit. Ich bin am Lernen, mich ständig mehr zu entfalten und die Kostbarkeiten des Lebens zu geniessen; ich lernte viel Neues dazu.

 

Die letzten Jahre, in denen ich meine Ausbildungen gemacht habe bzw. noch daran bin, habe ich mir ein neues Umfeld erschaffen/gesucht. Ich mag es, mich anständig mit Menschen zu unterhalten, Fachsimpeln über alles, was den Menschen betrifft. Es ist toll, mit 5 Leuten an einem Tisch zu sitzen und sich etwas tiefgründiger zu unterhalten.

 

Ein Grund, warum ich mich von der Baustelle und Montage immer mehr distanziere, ist der Umgang untereinander. Das war in jungen Jahren toll, doch sind wir nicht reifer geworden?

Für mich stimmt es immer weniger. Es ist nicht die Arbeit, sondern das Zwischenmenschliche, was mir zu denken gibt.
Du weisst sehr wohl, wie schwierig es ist, an einem unruhigen Tag sich Mal keine dummen Sprüche anzuhören zu müssen. Auch Du trägst Deinen Teil dazu bei.

Für mich ist es so jedenfalls einfacher, den Baustellen Samy vorzuschieben, weil für das andere wenig Platz ist und ich meine Energie auch nicht für sinnlose Erklärungen verschwenden möchte. Da ist es nun Mal einfacher, einen dummen Spruch zu machen, als zu versuchen, Ernsthaftigkeit einfliessen zu lassen.

 

Der Mensch ist anpassungsfähig, genau das passiert mit dem Niveau. Ganz abkapseln als Sonderling möchte ich mich nicht, rein aus sozialer Sicht. Und wir haben ja doch Spass 🤗

 

Fakt ist, das ich nach solchen Wochen schon froh bin, in die neue Welt von Samy zurückzugehen.
Vieles ist im Umbruch und das braucht Zeit.

 

Ich hoffe, Dir etwas Einsicht gegeben zu haben und ansonsten, frag mich, wenn Du es fertig gelesen hast.