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Vergebung

Vergebung ist aus meiner Sicht ein doppeldeutiges Wort. Die 2 Grundelemente von Selbstvergebung und Vergebung anderen gegenüber muss ich trennen.

 

Um sich oder jemand anderem zu vergeben braucht es mehrere Schritte, die schätzungsweise im gleichen Muster ablaufen.

 

Was steht vor der Vergebung?

Eine Situation/Aktion, die wir nicht so annehmen wollen/können, wie sie ist. Daraus resultiert in erster Linie eine innere Unruhe. Die Auswirkungen zeigen sich im- wie explodierend.

 

Damit ist unbewusst der erste Schritt gemacht der einem aufzeigt, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre uns etwas wirklich egal, würde keine Reaktion darauffolgen.

Ich möchte den Zeitraum offen lassen wie lange es geht bis wir bemerken, dass wir etwas an der Situation ändern müssen. In dieser Zwischenzeit versuchen wir vielleicht durch Gespräche, Manipulation, Selbstbestrafung etc. das «Problem» zu beheben. Kann funktionieren, muss aber nicht.

 

Ängste, Hass, Unsicherheiten etc. werden ungewollt schnell zu unseren Begleitern und um diese kontrollieren zu können, kann Vergebung einen grossen Einfluss haben. Oftmals steht auch unser Ego im Weg, da wir ein selbsterstelltes Gerechtigkeitssystem in uns haben und je nach Ansicht auch unser Stolz verletzt wird.

 

Den zwei Arten der Vergebung ordne ich Selbsthass und Hass auf andere zu. Wenn ich nicht bereit bin, jemandem etwas zu verzeihen, hege ich auf die Person Hass (wobei ich Hass mit Angst verbinde). Wenn wie oben erwähnt das «Problem» nicht mit Kommunikation gelöst werden kann, schaffe wir nur eine noch grössere Distanz in der Beziehung zu diesen Personen.

Frage: Bin ich überhaupt bereit, mich auf ein Gespräch mit der Person einzulassen?

 

Um jemanden etwas zu verzeihen gibt es die Situationen, Person X will nicht mit mir kommunizieren oder umgekehrt. So oder so ändert sich nichts an der Tatsache, dass Vergebung mein Part ist, um meine innere Ruhe zu bekommen und das Problem zu beheben. Das Leben ist eine egoistische Angelegenheit und wer sich selbst nicht einmittet/akzeptiert, kann dies schlecht nach aussen tragen und weitergeben.

 

Selbstverzeihung: Wenn ich eine Handlung vollzogen habe, die ich im Nachhinein bereue, kriege ich Gewissensbisse. Vielleicht bin ich aber auch ein Opfer von Gewalt, einer sexuellen Handlung, psychischen Missbrauch geworden und sah mich selbst in der Opferrolle.

 

Habe ich den Tätern ein Motiv gegeben, haben Opfer mir ein Motiv gegeben?

 

Auch hier sehe ich wieder die Optionen mit der Person X und der Kommunikation.

 

Was ist, wenn ein Täter, der mich zu diesem Selbsthass trieb, nicht kontaktierbar ist?

 

Fazit: Vergebung bedeutet für mich, erstmal Wahr zu nehmen, dass wir ein persönliches Problem mit uns selbst lösen müssen und es bedingt wichtig ist, ob wir Opfer oder Täter waren. Um sich Vergebung in der Theorie bewusst zu machen, müssen wir im ersten Schritt einen Gefühls-Kompromiss eingehen. Eine sachliche Abwägung von, was passiert mit mir und dem Problem, wenn ich es bekämpfe, auf den ersten Schritt einer anderen Person warte oder wenn ich es schaffe, zu Verzeihen. Eine Bekämpfung kann einen Domino-Effekt auslösen, eine Verzeihung beendet.

 

Ist dieser theoretische Gedanke nachvollziehbar, geht es an die Umsetzung. Dies kann ein schwerer Schritt sein, weil die Verinnerlichung der Verzeihung erreicht werden muss. Erst dann und nur dann, hat man sich selbst erlöst und fühlt sich wieder befreit.

 

Anbei eine persönliche Geschichte von mir: In meiner einzigen Hypnosesitzung (vor der Ausbildung) ging es genau um dieses Thema. Obwohl ich direkt nach der Hypnose nicht wirklich eine Veränderung feststellen konnte, merkte ich in den Folge-Monaten, dass ich Verziehen hatte, weil dieses Hass-Gedankengut nicht mehr da gewesen ist!

 

Mein Vergleich: Veganismus

Durch meine Tätigkeit als Ernährungsberater und mein erschaffenes, digitales Netzwerk bin ich häufig mit den Philosophien von Veganismus konfrontiert.

 

Kurz erwähnt: Ich stehe hinter dieser Ernährungsform wie auch dem Lebensstil, jedoch ist gerade bei der Ernährung Vorsicht geboten, da bei nicht beachten einiger Regeln, der Körper schnell in eine Mangelernährung rutschen kann.

 

Vergebung muss nicht zwingend einem Menschen gegenüber stattfinden, das betrifft allgemein alles, was uns umgibt. Veganer/innen setzen sich ein als Stimme für Tiere.

 

Immer mehr treffe ich auf Berichte, wo Menschen mit den Tieren noch Zeit verbringen vor/im Schlachthof um mit ihnen zu kuscheln, sich zu verabschieden. Das definiere ich als eine um-gebetene-Verzeihung. Der Mensch entschuldigt sich dadurch für das Handeln anderer Menschen.

 

Wird sich ein Veganer bewusst, was er mit seinem «normalen» Lebensstil unbewusst unterstütze, können negative Gefühle entstehen, vielleicht Selbsthass. Das wäre der Part einer Selbstvergebung mit dem Auslöser von vorgehender Unwissenheit (was ich einen interessanten Aspekt finde).

 

Parallelen sehe ich auch in dem dogmatischen Denken von manchen, dass nur DAS der Weg und die Wahrheit sein kann.

Wer nicht strikt pflanzlich lebt, ist ein schlechter Mensch, Mörder uvm.

Zum Wohl der Tiere geht man über Leichen und vergisst dabei, dass auch der Mensch ein Lebewesen ist und Fehler macht, bewusst wie unbewusst.

 

Bevor wir hassangetrieben versuchen Menschen zu ändern, sollten wir die Taktik wechseln und als gutes Beispiel vorangehen. Denkanstösse sind eine gute Idee, vorleben aus einer inneren Überzeugung ist jedoch besser und wirksamer.

 

Ich sehe in Veganismus oft ein religiöses Denkmuster, indem fast alle Religionen eines gemeinsam haben: Wir tun das richtige! (schwarz-weiss Denken)

 

Bleiben wir jedoch bei uns, lassen unsere Mitmenschen so wie sie sind, könnten wir viele Situation vermeiden bzw. diese gar nicht erst entstehen lassen, so dass keine Vergebung nötig wäre.

 

Vergebung ist ein natürliches Werkzeug für den eigenen Lernprozess. Das bedeutet, sich zu lieben & seinen Horizont stetig erweitern und den Menschen so zu akzeptieren, wie er ist.

 

Leben und leben lassen